Kleidung ist für das Stehen und Gehen gemacht. Wer den Tag im Sitzen verbringt, merkt das an Stellen, an die vorher niemand gedacht hat: Die Hose spannt vorn und rutscht hinten, die Gesäßtaschen drücken, die Jacke schiebt sich in den Rücken, und beim ersten Regen wird der Schoß nass, weil kein Schirm dorthin reicht.
Das Wichtigste in Kürze
- Höherer Bund hinten: verhindert, dass die Hose im Sitzen nach unten rutscht
- Gummizug statt Knopf und Gürtel: nichts, was im Sitzen in den Bauch drückt
- Durchgehender Reißverschluss: macht das Anziehen im Sitzen möglich
- Poncho statt Jacke: deckt Beine und Rollstuhl mit ab und lässt sich über Kleidung werfen
- Beindecke: Die Beine kühlen im Sitzen zuerst aus, weil sie sich nicht bewegen
Was sich im Sitzen ändert
Im Sitzen wandert die Hose nach hinten unten und vorn nach oben. Konfektionshosen sind dafür nicht geschnitten – daraus entstehen zwei Probleme auf einmal: ein freier Rücken, der auskühlt und die Haut der Lehne aussetzt, und Falten im Schritt, die auf Dauer drücken. Bei Menschen, die sich nicht selbst umsetzen können, sind solche Falten eine ernstzunehmende Ursache für Druckstellen.
Der zweite Unterschied betrifft die Temperatur. Wer sitzt, produziert kaum Wärme in den Beinen, und die Durchblutung ist ohnehin schlechter. Deshalb frieren Rollstuhlfahrende meist an den Füßen und Unterschenkeln zuerst, während der Oberkörper noch warm ist. Eine dickere Jacke hilft dagegen wenig – eine Decke über den Beinen dagegen sofort.
Fünf Kleidungsstücke für den Alltag im Rollstuhl
PINSPARK Reha-Sporthose mit durchgehendem Reißverschluss
Seniorenmode24 Damen-Schlupfhose mit Gummizug
Wasserdichter Rollstuhl-Poncho
SENIORI Rollstuhldecke als Beindecke
BRAMBLE Fleece-Schlupfsack für Rollstuhlfahrer
Worauf Sie beim Kauf achten sollten
- Keine Gesäßtaschen: Nähte und Taschen unter dem Sitzbein sind eine der häufigsten Ursachen für Druckstellen
- Nichts, was schleift: Decken, Mantelsäume und lange Riemen können in die Speichen geraten
- Reflektoren: Wer im Sitzen unterwegs ist, wird im Dunkeln später gesehen als ein stehender Mensch
- Atmungsaktiv: Unter einer wasserdichten Schicht staut sich Feuchtigkeit – feuchte Haut wird schneller wund
- Faltenfrei sitzen: Nach jedem Umsetzen kurz prüfen, ob der Stoff glatt unter dem Gesäß liegt
Zahlt die Kasse Rollstuhlbekleidung?
Der Rollstuhl selbst ist ein Hilfsmittel und wird bei entsprechender Verordnung von der Krankenkasse übernommen. Kleidung, Decken und Regenschutz gehören dagegen zu den Gebrauchsgegenständen des täglichen Lebens und werden nicht erstattet – auch dann nicht, wenn sie speziell für Rollstuhlfahrende geschnitten sind.
Für notwendiges Zubehör am Rollstuhl selbst, etwa ein druckentlastendes Sitzkissen, gilt etwas anderes: Solche Teile können Bestandteil der Hilfsmittelversorgung sein. Wenn Sie über Druckstellen nachdenken, ist das der Punkt, an dem sich das Gespräch mit dem Sanitätshaus lohnt – und zwar bevor eine wunde Stelle entstanden ist.
Unser Fazit
Zwei Anschaffungen verändern den Alltag am deutlichsten: eine Hose ohne Knopf und ohne Gesäßnaht, die im Sitzen sitzt, und eine Beindecke, die nicht schleift. Wer regelmäßig draußen unterwegs ist, ergänzt einen Poncho – ein Schirm ist im Rollstuhl keine Option. Alles Weitere richtet sich danach, wie viel Zeit tatsächlich im Freien verbracht wird.
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