Ausflüge und Reisen mit Pflegebedarf vorbereiten

Viele Familien hören auf, Ausflüge zu machen, sobald Pflege ins Spiel kommt. Meist nicht wegen eines konkreten Hindernisses, sondern weil die Vorstellung zu kompliziert wirkt. Dabei entscheidet über das Gelingen weniger die Strecke als die Vorbereitung – und die lässt sich einmal aufsetzen und danach wiederverwenden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Medikamente doppelt: ein Satz im Handgepäck, ein Satz im Koffer – nie alles an einem Ort
  • Medikamentenplan mitnehmen: aktuell ausgedruckt, nicht nur im Kopf
  • Kühlkette bei Insulin: braucht eine Kühltasche, keine Isoliertasche
  • Sitzgelegenheit dabei: ein leichter Klapphocker macht aus einer unmöglichen Strecke eine machbare
  • Verhinderungspflege: Wenn Angehörige verreisen, kann die Pflege zu Hause finanziert werden

Die Vorbereitung, die sich lohnt

Legen Sie einmal eine feste Reisetasche an, die nur für Ausflüge gepackt bleibt: Medikamente für zwei Tage mehr als geplant, Medikamentenplan, Kopie der wichtigsten Arztbriefe, Inkontinenzmaterial, Ersatzkleidung, Feuchttücher, Müllbeutel, Traubenzucker. Wenn diese Tasche fertig im Flur steht, entfällt die halbe Hürde.

Für längere Reisen kommt Organisatorisches dazu: Bei Auslandsreisen prüfen, ob die mitgeführten Medikamente im Zielland erlaubt sind – bei Betäubungsmitteln und starken Schmerzmitteln ist eine Bescheinigung nötig, die die behandelnde Praxis ausstellt. Und der Schwerbehindertenausweis mit Merkzeichen gehört ins Portemonnaie, nicht in den Koffer: Er ist an Kassen, in Museen und im Nahverkehr sofort brauchbar.

Ein Punkt, den viele nicht kennen: Wenn pflegende Angehörige selbst wegfahren wollen, gibt es die Verhinderungspflege – die Pflegekasse übernimmt für eine begrenzte Zeit im Jahr die Kosten einer Ersatzpflege. Fragen Sie danach, bevor Sie eine Reise absagen.

Fünf Dinge für unterwegs

Mini-Pillendosen für die Tasche, 4 Stück

Mini-Pillendosen für die Tasche, 4 Stück

Kleine Dosen für einzelne Einnahmezeitpunkte. Der Vorteil gegenüber einer großen Wochenbox: Man nimmt nur mit, was für den Tag gebraucht wird, und die restlichen Medikamente bleiben sicher zu Hause oder im Gepäck. Beschriften Sie die Dosen – unterwegs sieht man Tabletten nicht mehr an, wozu sie gehören.

Auf Amazon ansehen »*

Medikamententaschen als leere Reiseapotheke, 2 Stück

Medikamententaschen als leere Reiseapotheke, 2 Stück

Taschen mit Fächern zum selbst Bestücken. Zwei Stück sind sinnvoll, weil sich der eigentliche Rat damit umsetzen lässt: einmal alles ins Handgepäck, einmal in den Koffer. Geht ein Gepäckstück verloren, steht niemand ohne Medikamente da.

Auf Amazon ansehen »*

Insulin-Kühltasche mit zwei Kühlakkus

Insulin-Kühltasche mit zwei Kühlakkus

Tasche mit aktiver Kühlung für Insulin und andere kühlpflichtige Medikamente. Eine normale Isoliertasche reicht dafür nicht – im Sommerauto steigt die Temperatur weit über das, was Insulin verträgt. Auf die Temperaturanzeige achten und die Akkus rechtzeitig tauschen.

Auf Amazon ansehen »*

Nackenkissen aus Memory-Schaum

Nackenkissen aus Memory-Schaum

Stützkissen für Auto, Bahn und Wartezeiten. Bei Menschen mit schwacher Nackenmuskulatur oder nach einem Schlaganfall ist es kein Reisekomfort, sondern verhindert, dass der Kopf unkontrolliert zur Seite sinkt – was auf längeren Strecken schmerzhaft wird.

Auf Amazon ansehen »*

Faltbarer Klapphocker, belastbar bis 150 Kilogramm

Faltbarer Klapphocker, belastbar bis 150 Kilogramm

Leichter Hocker mit Tragebeutel. Er ist der Unterschied zwischen „das schaffen wir nicht“ und „wir machen unterwegs eine Pause“. Prüfen Sie vor dem Kauf die Sitzhöhe: Ein sehr niedriger Hocker ist bequem zum Sitzen, aber schwer zum Aufstehen.

Auf Amazon ansehen »*

Worauf Sie achten sollten

  • Toiletten einplanen: Die Route entlang bekannter, barrierefreier Toiletten planen – das entscheidet über den Erfolg des Tages mehr als die Entfernung
  • Euroschlüssel: öffnet Behindertentoiletten an Autobahnen und in Städten; erhältlich über den CBF Darmstadt gegen Nachweis
  • Pausen vor der Erschöpfung: nicht erst rasten, wenn nichts mehr geht
  • Hitze meiden: Ältere Menschen überhitzen schneller und merken es später
  • Kurz halten: Ein gelungener Vormittag ist besser als ein Tagesausflug, der im Streit endet

Bei Demenz gilt eine eigene Regel

Ortswechsel können bei Demenz Unsicherheit auslösen, und fremde Umgebungen verstärken abendliche Unruhe. Das spricht nicht gegen Ausflüge, aber für eine andere Planung: bekannte Ziele statt neuer, kurze Wege, vertraute Begleitung, und Rückkehr vor dem Nachmittag. Nehmen Sie etwas Vertrautes mit – die eigene Jacke, das gewohnte Kissen, die Musik aus dem Wohnzimmer.

Für den Fall, dass jemand sich unterwegs entfernt, sollte ein Zettel mit Namen und Telefonnummer in der Jackentasche stecken. Das ist unaufwendig und hat schon vielen Familien einen sehr schlechten Tag erspart.

Unser Fazit

Packen Sie einmal eine feste Tasche, die gepackt bleibt – das nimmt der Sache die Schwere. Medikamente immer geteilt auf zwei Gepäckstücke, Insulin nur in einer echten Kühltasche, und ein Klapphocker im Auto. Und wenn Sie als pflegende Person selbst wegfahren möchten: Fragen Sie nach Verhinderungspflege, bevor Sie die Reise streichen.

* Affiliate-Links: Beim Kauf über diese Links erhalten wir eine kleine Provision – für Sie entstehen keine Mehrkosten.

Schreibe einen Kommentar