Ein Sessel, aus dem man nicht mehr hochkommt, wird zur Falle. Die Betroffenen wissen das und setzen sich irgendwann gar nicht mehr hin – oder bleiben stundenlang sitzen, weil das Aufstehen zu anstrengend ist. Beides ist schlecht: Zu viel Sitzen baut Muskulatur ab, und wer nicht sitzt, wird schneller müde.
Das Wichtigste in Kürze
- Sitzhöhe entscheidet: Je tiefer der Sitz, desto mehr Kraft kostet das Aufstehen
- Sitzerhöhung: hebt einen zu tiefen Sessel oder Stuhl um einige Zentimeter an
- Keilkissen: kippt das Becken nach vorn und bringt den Schwerpunkt in die richtige Richtung
- Drehkissen: löst das Problem beim Ein- und Aussteigen ins Auto
- Gelkissen: verteilt den Druck bei langem Sitzen – wichtig bei dünner Haut
Warum ein paar Zentimeter so viel ausmachen
Beim Aufstehen muss der Körperschwerpunkt zuerst nach vorn über die Füße und dann nach oben gebracht werden. Je tiefer man sitzt, desto weiter ist der Weg nach oben und desto mehr Kraft brauchen Oberschenkel und Gesäß. Fünf Zentimeter mehr Sitzhöhe verändern diese Rechnung spürbar – deutlich mehr, als die Zahl vermuten lässt.
Das zweite ist die Sitzneigung. Viele Sessel sind nach hinten geneigt, damit man bequem liegt. Genau das macht das Aufstehen schwer. Ein Keilkissen mit der dicken Seite nach hinten gleicht die Neigung aus, sodass man aus einer aufrechten Position startet.
Was Kissen nicht können: Muskelkraft ersetzen. Wenn das Aufstehen zunehmend schwerfällt, ist Bewegung die eigentliche Antwort. Physiotherapie kann ärztlich verordnet werden, und es gibt Kursangebote der Krankenkassen. Ein Kissen kauft Zeit, es löst das Problem nicht.
Fünf Kissen für verschiedene Probleme
Sitzerhöhung 40 x 40 x 10 Zentimeter
Sitzerhöhung als Aufstehhilfe für Sofa und Sessel
Keilkissen für den Autositz
Drehkissen für den Autositz, 360 Grad
Gel-Sitzkissen mit rutschfester Unterseite
Worauf Sie achten sollten
- Rutschfeste Unterseite: das wichtigste Merkmal, wichtiger als das Material
- Erst messen, dann kaufen: Im Sitzen sollten die Füße flach stehen – ein zu hohes Kissen ist genauso schlecht wie ein zu tiefer Sitz
- Feste Kante: Weiche Kissen sinken vorn ein und erschweren das Aufstehen wieder
- Bezug abnehmbar und waschbar: besonders wenn Inkontinenz eine Rolle spielt
- Armlehnen nicht vergessen: Ein Sessel ohne Armlehnen bleibt schwierig, egal wie hoch das Kissen ist
Was die Kasse übernimmt
Einfache Sitzkissen und Sitzerhöhungen sind Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens und werden nicht erstattet. Anders sieht es bei druckentlastenden Sitzkissen im Rahmen der Dekubitusprophylaxe aus: Solche Kissen sind im Hilfsmittelverzeichnis geführt und können bei entsprechender Indikation ärztlich verordnet werden – insbesondere für Rollstuhlfahrende und bei bestehendem Dekubitusrisiko.
Wenn also nicht das Aufstehen, sondern das lange Sitzen das Problem ist, sprechen Sie mit dem Pflegedienst oder der Hausarztpraxis, bevor Sie selbst kaufen. Bei einer Aufstehhilfe für den Sessel – also einem Sessel mit Motor – gilt: Der ist in der Regel Eigenleistung, kann aber unter Umständen über den Zuschuss für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen bezuschusst werden. Vorher fragen, nicht nachher.
Unser Fazit
Messen Sie zuerst die Sitzhöhe. Ist der Sessel zu tief, löst eine feste Sitzerhöhung mit rutschfester Unterseite das Problem für wenig Geld. Ist die Sitzfläche stark nach hinten geneigt, ist das Keilkissen die richtige Wahl. Fürs Auto ist das Drehkissen die eine Anschaffung, die Ausflüge wieder möglich macht. Und wenn das Sitzen selbst zum Problem wird, ist das ein Fall für die Verordnung, nicht für den Einkaufswagen.
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