Rund vier von fünf Pflegebedürftigen in Deutschland werden zu Hause versorgt, überwiegend von Angehörigen. Diese Angehörigen sind die größte Pflegeeinrichtung des Landes – und die am schlechtesten ausgestattete. Der häufigste Grund für einen Heimeinzug ist nicht die Verschlechterung des Pflegebedürftigen, sondern die Erschöpfung des Pflegenden.
Deshalb steht hier die Entlastung vor der Ausrüstung. Zwei Ansprüche werden am häufigsten übersehen, obwohl sie jedem mit Pflegegrad zustehen.
Zwei Ansprüche, die kaum genutzt werden
Der Entlastungsbetrag nach §45b SGB XI: monatlich 131 Euro für Angebote zur Unterstützung im Alltag, ab Pflegegrad 1. Nicht ausgezahlt, sondern gegen Rechnung erstattet – und nicht verbrauchte Beträge können ins Folgejahr übertragen werden. Viele lassen ihn über Jahre verfallen.
Die Verhinderungspflege: Wenn die pflegende Person Urlaub braucht oder krank wird, übernimmt die Pflegekasse die Ersatzpflege für mehrere Wochen im Jahr. Auch stundenweise nutzbar. Beides beantragt man bei der Pflegekasse; die Pflegeberatung nach §7a SGB XI ist kostenlos und hilft beim Antrag.
Und ein Satz, der schwerer zu befolgen ist als jeder Antrag: Wer pflegt, braucht eigene Termine. Physiotherapie für den eigenen Rücken, Hausarzttermine, ein freier Nachmittag pro Woche. Das ist keine Selbstsucht, sondern die Voraussetzung dafür, dass die Pflege überhaupt weitergeht.
Was den Rücken schont
Die größte körperliche Belastung sind Transfers: vom Bett in den Rollstuhl, vom Stuhl auf die Toilette. Falsch ausgeführt kosten sie den Pflegenden die Bandscheiben. Die Grundregel lautet, nicht zu heben, sondern gleiten und drehen zu lassen – dafür gibt es Hilfsmittel, die wenige Euro kosten und den Unterschied machen.
Rutschbrett für den Transfer
Drehscheibe für den Transfer
Waschbare Bettschutzeinlagen
Nitril-Einweghandschuhe im Hunderterpack
Automatischer Desinfektionsspender
Unser Fazit
Erst die Ansprüche klären, dann die Ausrüstung kaufen: Entlastungsbetrag und Verhinderungspflege sind Geld, das vielen zusteht und ungenutzt bleibt. Die kostenlose Pflegeberatung hilft dabei. Bei den Transfers gilt gleiten statt heben – Rutschbrett und Drehscheibe kosten wenig und schützen den eigenen Rücken. Und der wichtigste Satz zum Schluss: Wer pflegt, muss selbst gesund bleiben. Eine Auszeit ist Teil der Pflege, nicht ihr Gegenteil.
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