Kompressionsstrümpfe wirken nur, wenn sie getragen werden. Und sie werden nur getragen, wenn das Anziehen morgens gelingt – allein, ohne fremde Hilfe, ohne dass es zwanzig Minuten und die halbe Tageskraft kostet. Genau daran scheitert die Therapie in der Praxis viel häufiger als an der falschen Kompressionsklasse.
Das Wichtigste in Kürze
- Anziehgestelle: halten den Strumpf offen, sodass der Fuß nur hineingleiten muss – die beste Lösung bei steifem Rücken
- Gleitsocken: lassen den Strumpf über den Fuß rutschen und werden anschließend herausgezogen
- Spezialhandschuhe: geben Griff auf glattem Gestrick und schützen den Strumpf vor Fingernägeln
- Ausziehhilfen: abends genauso wichtig – das Ausziehen wird oft unterschätzt
- Verordnungsfähig: Anziehhilfen für Kompressionsstrümpfe können unter Umständen ärztlich verordnet werden
Warum das Anziehen so schwer ist
Medizinische Kompressionsstrümpfe sind absichtlich eng. Der Druck, der die Venen unterstützt, muss beim Anziehen überwunden werden – und zwar in einer Haltung, die vorgebeugt und mit gestrecktem Bein stattfindet. Wer eine Hüftprothese hat, unter Rückenschmerzen leidet oder schlicht nicht mehr so weit nach vorn kommt, hat ein mechanisches Problem, kein Willensproblem.
Dazu kommt die Griffigkeit: Das Gestrick ist glatt, die Haut älterer Menschen oft trocken, die Fingerkraft begrenzt. Wer mit bloßen Händen zieht, riskiert außerdem, mit dem Fingernagel Fäden zu ziehen – ein beschädigter Strumpf verliert seine Wirkung und ist teuer zu ersetzen.
Fünf Anzieh- und Ausziehhilfen
Anziehhilfe für Kompressionsstrümpfe mit langen Griffen
Sockenanziehhilfe für Strümpfe und Socken
Juzo Anzieh-Spezialhandschuhe
Gleitsocke für Kompressionsstrümpfe
medi Butler Off Ausziehhilfe
Worauf Sie beim Kauf achten sollten
- Offene oder geschlossene Fußspitze: Gleitsocken und manche Gestelle setzen eine offene Spitze voraus
- Kompressionsklasse: Je höher die Klasse, desto stabiler muss die Hilfe sein. Leichte Kunststoffbügel geben bei Klasse II und III nach
- Standfestigkeit: Ein Gestell, das beim Hineinsteigen kippt, ist gefährlicher als gar keine Hilfe – im Sitzen anwenden
- Reinigung: Handschuhe und Gleitsocken kommen täglich mit der Haut in Kontakt und sollten waschbar sein
- Beidseitig denken: Wer eine Anziehhilfe braucht, braucht meist auch eine Ausziehhilfe
Kann die Krankenkasse eine Anziehhilfe bezahlen?
Hier liegt der Fall anders als bei den meisten Alltagshelfern: Anziehhilfen für Kompressionsstrümpfe sind grundsätzlich als Hilfsmittel gelistet und können ärztlich verordnet werden, wenn medizinische Kompressionsstrümpfe getragen werden müssen und das Anziehen ohne Hilfe nicht gelingt. Entscheidend ist die ärztliche Begründung, nicht der Wunsch.
Was das im Einzelfall bedeutet, hängt von der Kasse, dem konkreten Produkt und der Versorgungssituation ab. Sprechen Sie mit der verordnenden Praxis, bevor Sie selbst kaufen – eine nachträgliche Erstattung eines privat gekauften Geräts ist die Ausnahme, nicht die Regel. Das Sanitätshaus, das die Strümpfe liefert, kennt die Wege in der Regel gut.
Unser Fazit
Wer nur eine Sache anschafft, sollte mit den Spezialhandschuhen anfangen: Sie kosten wenig, lösen das Griffproblem sofort und schonen die teuren Strümpfe. Reicht die Beweglichkeit nicht bis zum Fuß, führt kein Weg an einem stabilen Anziehgestell vorbei – und dann lohnt sich der Weg über die ärztliche Verordnung. Denken Sie den Abend mit: Eine Ausziehhilfe entscheidet oft darüber, ob der Strumpf am nächsten Morgen überhaupt wieder angezogen wird.
* Affiliate-Links: Beim Kauf über diese Links erhalten wir eine kleine Provision – für Sie entstehen keine Mehrkosten.




